Herr Rosendahl, Saurier faszinieren Menschen jeden Alters. Was ist der größte Mythos über sie?
Es ist weniger ein Mythos, eher eine tiefe Faszination. Saurier erinnern uns an Drachen – Wesen, die in Mythen seit Jahrtausenden verankert sind. Dazu kommt ihre Größe: reptilienähnliche Tiere, größer als Elefanten, mit Zähnen und Schuppen. Forschungsgeschichtlich war es spannend zu erkennen, dass sie Millionen Jahre vor uns lebten und damals die Erde beherrschten. Bis heute werden jährlich neue Arten entdeckt – das weckt Abenteuerlust und wissenschaftliches Interesse.

In der Ankündigung zur Ausstellung räumen Sie mit einer weitverbreiteten Annahme auf. Nicht alle Saurier sind Dinosaurier …
Genau. Alle Dinosaurier sind Saurier, aber nicht alle Saurier Dinosaurier. Der Begriff „Saurier“ wurde historisch für viele große, reptilien- oder amphibienähnliche Tiere verwendet – auch für Krokodil-ähnliche Amphibien. Dinosaurier hingegen sind eine klar definierte Gruppe innerhalb der Reptilien. Ein Beispiel: Der Dimetrodon – oft in Dino-Büchern zu finden – ist gar kein Dinosaurier.

Und noch etwas war vorab zu lesen: Sind Vögel wirklich Dinosaurier?
Ja. Heute wissen wir: Ein Teil der Dinosaurier lebt weiter – als Vögel. Sie gehören zur Gruppe der Dinosaurier, genauer zu den „Vogel-Dinosauriern“. Nur die zahnlosen Arten überlebten das Massensterben vor 66 Millionen Jahren. Deshalb: Wer ein Vogelhäuschen baut, leistet Saurierschutz.

Warum haben nach dem Meteoriteneinschlag  die Vögel überlebt?
Nach dem Einschlag kam es für lange Zeit zur Verdunkelung und Abkühlung. Die Vegetation verschwand und die großen Dinosaurier, Pflanzen- und Fleischfresser, starben aus. Samen und Insekten konnten im Boden überdauern. Vögel mit zahnlosen Schnäbeln konnten vermutlich besser diese Nahrungsquellen erschließen. Diese Anpassung könnte entscheidend gewesen sein, um die Katastrophe zu überleben.

 

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Was zeigt die Ausstellung?
Sie ist als Zeitreise konzipiert. Ausgangspunkt sind 300 Millionen Jahre alte Fußspuren, die auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bochum gefunden wurden. Wir zeigen Originalfossilien, Skelette, Rekonstruktionen – vom 30 Zentimeter kleinen Saurier bis zu Sauropoden von mehreren Metern Höhe. Besonders ist der Europasaurus, ein Sauropode aus Deutschland – eine  Zwergform. Das bedeutet in diesem Fall, er ist sieben Meter lang und circa drei Meter hoch, das ist das Maximum für unsere Museumsräume. Dieses Exemplar lebte auf einer Insel und dort gab es begrenzte Ressourcen. Wir sprechen in solchen Fällen von Inselverzwergung. Außerdem kehrt der erste je beschriebene Flugsaurier, entdeckt im 18. Jahrhundert und einst Teil des Mannheimer Naturalienkabinetts von Kurfürst Carl Theodor, für die Schau zurück.

Gibt es weitere regionale Bezüge?
Ja, wir zeigen Funde aus Odenwald und Pfalz, teils erst kürzlich entdeckt – etwa große Rückensegel-Saurier oder einen Pareiasaurier-Fußabdruck. Die Besucher*innen können nach dem Ausstellungsbesuch diese Fundregionen auch selbst erkunden.

Wie ist die Schau aufgebaut?
Chronologisch, nach Erdzeitaltern. So wird klar, welche Gruppen zeitgleich lebten und wie sich die Artenvielfalt ent­wickelte. Wichtig war uns, nicht nur „große Dinos“ zu zeigen, sondern die ganze Bandbreite der Saurierwelt – und viele lebensnahe Inszenierungen.

Haben Sie denn selbst etwas Neues gelernt?
Ständig. Die Forschung liefert wöchentlich neue Erkenntnisse – etwa zur Frage, ob T-Rex Federn hatte. Unsere Ausstellung zeigt den aktuellen Stand, wohl wissend, dass sich manches wieder ändern kann.

Nun bin ich natürlich neugierig – hatte er Federn?
Das verrate ich jetzt nicht. Das erfahren Sie in der Ausstellung.

Verraten Sie uns dafür Ihren persönlichen Lieblingssaurier?
Ganz klar der Triceratops. Wir zeigen gleich zwei Schädel. Einer ist sogar zum Berühren, denn viele möchten ihm einfach mal an die Hörner fassen. ‹


erschienen im Kulturmagazin Ausgabe 3/25