› Die Landschaften Sibiriens – endlose Wälder, der Baikalsee als tiefster See der Welt, Vulkane, Geysire und einsame Tundra, soweit das Auge reicht. Die ungezähmte Natur im Osten Russlands bietet reichlich Stoff für Legenden. Die indigenen Gemeinschaften, die dieses unwirtliche und zugleich spektakuläre Stück Erde besiedeln, entwickelten über Jahrhunderte Lebensweisen, um ihre Existenz zu sichern. Geprägt wurden sie auch vom Glauben an die Kräfte der Schaman*innen, die als Vermittler zwischen Menschen, Ahnen und Geisterwelt gelten.

„Eine der wichtigsten Aufgaben im Wirken eines Schamanen ist die Jenseitsreise“, erklärt Sarah Nelly Friedland, Projektleiterin der Sonderschau „Schamanen Sibiriens. Zwischen den Welten“, die ab sofort in den Stiftungsmuseen der Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen ist. „In diesen alternativen Welten leben mächtige Geister, die Herrin der Tiere oder die Seelen der Verstorbenen. Bei Problemen, Krankheiten oder Misserfolgen werden dort Lösungen gesucht.“ Nach diesem Glauben konnten Schaman*innen Gefahren erkennen sowie Wetter und Jagdglück beeinflussen.

„Mithilfe von Exponaten aus unserer Sammlung geben wir Einblicke in den Alltag sibirischer Gemeinschaften und ihre spirituellen Praktiken, die eng mit den Landschaften der Tundra und Taiga verbunden sind“, sagt Friedland. Rund 200 spektakulär in Szene gesetzte Objekte laden dazu ein, in die Welt des Schamanismus einzutauchen. Zu sehen sind etwa eine Ausrüstung mit außergewöhnlicher Geweihkappe, rituelle Figuren, Amulette und Instrumente sowie Alltagsgegenstände und Waffen. Viele der Stücke stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Bild-Informationen
© rem, Foto: Carolin Breckle

Die Ausstellung vermittelt ein differenziertes Bild des Schamanismus. Schaman*innen finden nach traditioneller Vorstellung nicht aus freiem Entschluss in ihre Rolle. „Es gilt der Glaube, dass Ahnen- oder Naturgeister sie durch Träume, Visionen oder Krisen berufen. Erst nach -einer Initiation und der Anerkennung durch ihre Gemeinschaften übernehmen sie ihre Aufgaben“, erklärt Friedland. Zu ihrer Ausrüstung zählen Trommeln, Gewänder und weitere rituelle Objekte. „Entgegen vielen Mythen ist der Schamanismus weder eine einheitliche Religion noch ein universelles Phänomen. Aber Elemente wie Initiation, Trance oder Jenseitsreise finden sich bei vielen Gemeinschaften.“ 

Die Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen führt vom Alltag der Korjaken, Tschuktschen und Nanai bis zu ihren kosmologischen Vorstellungen. Den Abschluss bilden die Veränderungen des Schamanismus seit der russischen Expansion, seiner Verfolgung während der Sowjetzeit und seiner Entwicklung bis in die Gegenwart. Dabei wird illustriert, wie sich indigene Traditionen und moderne Formen des Schamanismus begegnen, gegenseitig beeinflussen und zugleich ihre Eigenständigkeit bewahren. ‹ 

Schamanen Sibiriens. Zwischen den Welten
bis 27. Juni 2027
rem-Stiftungsmuseen C4,12
rem-mannheim.de

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erschienen im Kulturmagazin Ausgabe 3/26

Schamanen Sibiriens

Die Ausstellung im rem-Stiftungsmuseum beleuchtet vom 20. September 2026 bis 27. Juni 2027 die Ursprünge, vielfältigen Ausprägungen und Wandlungen schamanischer Praktiken in Sibirien.

Veranstaltungsort: rem-Stiftungsmuseen

Adresse: 68159MannheimC4,12

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