› An zehn Tagen findet man dort eine breite Auswahl an Musik-, Theater- und Tanzproduktionen – und alles, was sich dazwischen befindet. Oper und Pop. Internationale Gastspiele. Inszenierte Konzerte. Kunstinstallationen. Maskenball zum Mitfeiern. Karaokesingen mit Sinfonieorchester. Und Mozart natürlich, der Mannheim so liebte. „Lasst euch entgrenzen“ heißt denn auch das diesjährige Motto des Festivals, bei dem jeder einzelne Tag so konzipiert ist, dass man zwei bis drei Veranstaltungen hintereinander genießen kann. Und zum Abschluss im neugestalteten Festivalgarten einkehren …
> Grenzen sind nur der Anfang
Natürlich, der Festivalgarten! Wer im Juni den Vorplatz der Interimsspielstätte „Oper am Luisenpark“ (OPAL) in Mannheim betritt, wird schnell merken: Hier geht es nicht um Abgrenzung, sondern um Bewegung. Zwischen Pflanzeninseln, Konzert-bühne und flirrenden Farben entsteht beim „Mannheimer -Sommer 2026“ ein Raum, in dem sich Kunstformen gegenseitig anziehen, überlagern und verwandeln. Das Motto „Lasst euch entgrenzen!“ ist dabei weniger Parole als Versuchsanordnung. Denn dieses Festival interessiert sich nicht für das Grenzenlose an sich – sondern für das, was an den Rändern passiert.
Oper ist dafür ein idealer Ausgangspunkt. Sie war von je her ein Grenzphänomen: Musik, Sprache, Körper, Raum. In der neuen „Zauberflöte“ von Cordula Däuper und Jānis Liepiņš wird genau diese Spannung sichtbar. Zwischen Märchen und Initiations-ritual, zwischen kindlicher Fantasie und weiblicher Emanzipation öffnet sich ein Raum, in dem Gewissheiten brüchig werden.
> Von Björk über Tanz zur K.I.
Ähnlich radikal verschiebt die Performance „Hunter“ aus Berlin die Perspektive. Inspiriert von Björks Album „Homogenic“, trifft hier Pop auf Musiktheater, Intimität auf choreografierte Körperlichkeit. Es geht um Rollenbilder, emotionale Zustände – und um die fragile Grenze zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Ausführende ist mit B O D I E S das Vokalensemble der Singer-Songwriterin Kat Frankie, die auch noch solo zu sehen ist.
Auch der Tanz denkt im „Mannheimer Sommer“ nicht in -festen Formen. Denn in „10000 Gesten“ von Tanzlegende Boris Charmatz wird die alltägliche Bewegung selbst zum Thema: Jede Geste ist eindeutig – und gleichzeitig offen. Was bedeutet ein -erhobener Arm, ein Blick, ein Zucken? Der Körper spricht – aber was genau er sagt, bleibt in der Schwebe. ›
> Und die Musik …
Und dann ist da noch die Musik selbst, die vielleicht größte Grenz-
gängerin dieses Festivals. Im Konzertprogramm wird Mozart nicht aufbewahrt, sondern befragt: Seine Kompositionen treffen auf Tanz, auf Pop, auf die vier Gewinnerteams des Regiewettbewerbs. Gleichzeitig werden Pop-Ikonen wie Beyoncé in kammermusikalische Formen übersetzt. Alte Instrumente, neue Klangvorstellungen – auch hier: keine Auflösung, sondern Reibung.
Der „Mannheimer Sommer“ zeigt, was Entgrenzung im besten Fall leisten kann: Sie schafft keine Beliebigkeit, sondern Intensität. Sie zwingt dazu, genauer hinzusehen, genauer hinzuhören. Und sie macht erfahrbar, dass die interessantesten Dinge selten im Zentrum passieren – sondern an den Übergängen. ‹
Das Phantom der Operette
Die Operette – ein Wiedergänger der Musikgeschichte? Ausgehend von Emmerich Kálmán erforscht das deutsch-ivorische Kollektiv »La Fleur« singend und tanzend ein unterschätztes Genre – begleitet von einem Streichquintett. Das Ergebnis ist fette Show: Hits, Beats und Ekstase!
27.06.2026, 20.00 Uhr, OPAL
Hunter
Björk-Fans, aufgepasst! Inspiriert von Björks „Homogenic“ begeben sich Singer-Songwriterin Kat Frankie und ihr Vokalensemble B O D I E S für dieses neue Musiktheater in ein Spiel über Regeln, Rollen und den Zustand des Herzens – zwischen Basketballplatz, Pop, Oper und Elektronik.
23.06.2026, 19.30 Uhr, OPAL
10000 Gesten
Boris Charmatz und seine Kompagnie terrain erschaffen weniger Tanzabende als lebende Skulpturen, zu denen Tänzerinnen und Tänzer verschmelzen. In »10000 Gesten« verwandelt er Mozarts hochemotionale Abschiedsmusik in ein körperliches Erlebnis.
25.06.2026, 19.00 Uhr, OPAL
Wooden Elephant
Wooden Elephant ist Ensemble in Residence beim »Mannheimer Sommer«. Das international besetzte Streichquintett verwandelt höchst raffiniert Pop‑ und Elektronik‑Alben in akustische Kammermusik. Während des Festivals spielen Wooden Elephant gleich fünf Konzerte und geben einen öffentlichen Workshop – größtenteils ohne Eintritt!
Pop-up-Konzert nach dem Akademiekonzert,
22. & 23.06.2026, 22 Uhr, Rosengarten
„Lemonade“ nach Beyoncé für Streichquintett und Sprecherin, 24.06.2026, 22 Uhr, Rhein-
Neckar-Stadion
„Best of Wooden Elephant“, 26.06.2026, 19 Uhr, OPAL / Garten der Künste
Workshop am 27.06.2026, 11 Uhr, OPAL-Foyer
Außerdem dabei:
Charly Hübner und Ensemble Resonanz, Diana Damrau, Ensemble Modern, Kat Frankie solo an der Gitarre, il Gusto Barocco, Mannheimer Bläserphilharmonie, Waldorfschule Neckarau, die Gewinnerproduktionen des Regiewettbewerbs, Musikalische Akademie Mannheim, Soli, Chor und Orchester des Nationaltheaters und viele mehr …
Kulturmagazin Ausgabe 2/26