› Wie kam es dazu, dass eine Londoner Theatercompagnie eingeladen wurde, ein eigenes Stück in Worms zu inszenieren?
Oliver Lansley, der die Compagnie gemeinsam mit mir leitet und zugleich Autor des Festivals ist, hatte zuvor mit Thomas Laue, dem künstlerischen Leiter der Festspiele, an der Apple-TV-Serie „Where’s Wanda“ gearbeitet. Als wir erfuhren, dass Thomas aus dem Theater kommt und eng ins Festival eingebunden ist, war unser Interesse sofort geweckt. Vor drei Jahren lud er uns ein, eine Vorstellung zu besuchen. Wir waren sofort von Größe, Spektakel und Konzept begeistert. Da das Prinzip, eine deutsche Show mit einem englischen Autor zu erarbeiten, für eine Streamingserie gut funktioniert hatte, schlug Thomas vor, dieses Modell auch auf die Festspiele zu übertragen.
“Wir freuen uns darauf, eine frische, visuell und musikalisch eindrucksvolle Version der Nibelungensage zu präsentieren.”
James Seager, Co-Regisseur von "DIE HUNNENKÖNIGIN" und Leiter von Les Enfants Terribles
Welche Berührungspunkte hatten Sie vor diesem Projekt mit der Nibelungensage?
Wir sind seit 2023 jedes Jahr wiedergekommen und haben inzwischen drei sehr unterschiedliche Inszenierungen gesehen. Das hat uns ein gutes Verständnis für Umfang, Dimension und Erwartungen des Publikums vermittelt. Mich hat fasziniert, nur einen bestimmten Aspekt der Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Die stilistisch unterschiedlichen Produktionen eröffneten uns die Chance, unsere eigene Handschrift einzubringen – für die Les Enfants Terribles bekannt ist.
Was fasziniert Sie an der Nibelungensage? Welche Aspekte möchten Sie vertiefen?
Mich beeindruckt, wie stark die Sage Theater, Literatur, Kunst, Musik, Film und Fernsehen weltweit beeinflusst hat. Besonders reizvoll ist der Abschnitt, der seltener beleuchtet wird: Kriemhilds siebenjährige Verbannung, in der sie aus der Handlung verschwindet – genau darauf richten wir unseren Fokus.
„Die Hunnenkönigin“ lautet der Titel der kommenden -Uraufführung. Worum geht es in dem Stück?
Unser Stück konzentriert sich auf die sieben Jahre, die Kriemhild im Land der Hunnen verbringt, ihre Beziehung zu Etzel und ihre Integration in diese fremde Welt. Dabei verändert sich ihre Haltung: Sie beginnt, die Hunnen und ihre Lebensweise zu verstehen. „Die Hunnenkönigin“ erzählt von Rache, Verrat, einer ungewöhnlichen Liebe und politischen Ränkespielen.
Das Stück stammt aus der Feder Ihres Kollegen Oliver Lansley, inszeniert wird es von Ihnen beiden gemeinsam. Sie sprechen beide kein Deutsch. Werden wir vor dem Dom eine englischsprachige Produktion sehen?
Nein, die Inszenierung wird auf Deutsch gespielt, die Musik auf Englisch. Für die Proben arbeiten wir mit einem zweisprachigen Team und einer deutschen Regieassistenz, sodass Textverständnis und Qualität gewährleistet sind.
Ihre Arbeiten verbinden Schauspiel, Musik, Zirkuselemente, Magie und Puppenspiel. Ihre Produktionen sind überall auf der Welt zu sehen – vom Edinburgh Fringe Festival bis nach Shanghai. Welches Spektakel dürfen die Besucher*innen der Nibelungen-Festspiele im kommenden Jahr erwarten?
Wir bei Les Enfants Terribles lieben es, die Theatralität eines Stücks auszuleuchten und die Bühne sichtbar zu machen. Das Publikum wird aktiv eingebunden, Puppenspiel, Video und Musik werden dramaturgisch integriert. Wir freuen uns darauf, eine frische, visuell und musikalisch eindrucksvolle Version der Nibelungensage zu präsentieren. ‹