› Kurzhaarfrisur, Hornbrille und Strickjacke. Eine Aufnahme aus den 1980er-Jahren zeigt Regina Relang in ihrem Atelier. Wenig deutet darauf hin, dass hier eine der bedeutendsten Modefotografinnen des 20. Jahrhunderts zu sehen ist, die Haute Couture und Street Wear so eindrucksvoll in Szene setzt, dass die bekanntesten Designer ebenso wie einschlägige Hochglanz-Magazine mit ihr zusammenarbeiten wollen.
„Regina Relang selbst war eher bodenständig“, berichtet Karin Tebbe vom Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Sie hat die Ausstellung „Ikonen der Mode“ kuratiert, die dort derzeit rund 80 Fotografien aus dem Münchner Stadtmuseum zeigt, das den Nachlass der 1989 gestorbenen Relang verwaltet. Passend zum Modethema werden zusätzlich Hüte aus der Sammlung Wolfgang Knapp sowie Accessoires aus der Textilsammlung Max Berk präsentiert.
London, Mailand, Paris
Die Anfänge der 1906 in Stuttgart geborenen Relang sind eng mit ihrem künstlerisch geprägten Umfeld verbunden – der Vater ist Professor an der ortsansässigen Kunstgewerbeschule, die Schwester ausgebildete Fotografin. Nach einem Malereistudium finanziert sich Relang verschiedene Europareisen ab 1932 mit Fotografien, die sie als Autodidaktin mit der Leica aufnimmt. „Sie hat sich für die Lebensumstände, den Alltag der Leute sowie für Frauenarbeit interessiert“, erklärt Tebbe. „Trachten und textile Traditionen sind hier bereits Thema.“ Da noch als Abbild sozialer Wirklichkeit, berühmt wird Relang jedoch mit dem Gegenteil: Sie schafft neue Luxus-Welten, die zum Träumen einladen und Begehrlichkeiten wecken.
Nach Stationen in Paris und Berlin lässt sich Relang nach dem Zweiten Weltkrieg in München nieder, fotografiert für Magazine wie Vogue, Harper’s Bazaar, Madame und inszeniert die Entwürfe von Dior, Cardin und Saint Laurent. Das Besondere an ihrer Arbeitsweise ist, dass sie das Studio verlässt: „Sie fotografierte vor allem im Tageslicht“, berichtet Tebbe. „Ihre Models bewegen sich durch Städte, stehen auf Straßen, vor Baustellen oder Theatern.“
Internationale Models wie Jean Shrimpton fotografiert Relang in dynamischen Posen – selbstbewusst und präsent. „Sie hat ihre Models als Person ins Bild gesetzt und oft lange mit ihnen zusammengearbeitet“, sagt Tebbe. Daraus entsteht ein Vertrauensverhältnis, das sich in der Natürlichkeit der Fotos widerspiegelt. Gegen Ende der 1960er-Jahre verlagert sich ein Teil ihrer Arbeit ins Studio. So entstehen Serien mit verbesserter Beleuchtung und in Farbe. Vom neuen Wunsch nach Luxus in den edlen Roben der Nachkriegszeit bis zum emanzipatorischen Aufbruch im Minirock: Regina Relang hat die Ikonen der Mode mit ihren Bildern über Jahrzehnte ins passende Gewand gehüllt . ‹
Ikonen der Mode. Fotografien von Regina Relang
bis 19. Juli 2026, Kurpfälzisches Museum Heidelberg