› Nach einem stressigen Arbeitstag durch den Feierabendverkehr zum Klassikkonzert hetzen? Auch wenn der Zauber der Musik durchaus verlockend wirkt, ist der Gedanke an das Gedränge durch die Stuhlreihen, das aufrechte, konzentrierte Zuhören im schicken Zwirn manchmal doch der ausschlaggebende Punkt, der den Abend dann eher auf dem Sofa enden lässt. Gabriele Gefäller, Geschäftsführerin des Kurpfälzischen Kammerorchesters (KKO), kennt diese Hürden. „Dabei kann gerade Musik so entschleunigend wirken“, sagt sie. „Um dieses Potential zu nutzen, aber auch um Menschen anzusprechen, die sonst Berührungsängste mit klassischer Musik haben, haben wir bereits 2019 die Reihe der Traumkonzerte entwickelt.“

Matratzen statt Stühle

Im Rittersaal des Mannheimer Schlosses stehen dann weder Stuhlreihen noch Bühne, stattdessen liegen dort Matratzen und Decken parat, garniert mit einem kleinen Betthupferl und dem Abendprogramm. Gefäller stellt das Programm dieser Formate zusammen. „Bei den Traumkonzerten kommt es darauf an, dass das Ganze wie eine sanfte Welle verläuft“, erklärt sie. „Zunächst gibt es einen etwas dynamischeren Einstieg und dann reduzieren wir die Gangart immer weiter, werden ruhiger bis zu einem tiefen Entspannungspunkt, bevor es zum Ende hin wieder lauter wird. Schlussendlich holt ein klarer Rausschmeißer wieder an Ort und Stelle zurück.“ Ein Streichensemble spielt an diesen Abenden Stücke, die im regulären Orchesterbetrieb selten zu Gehör kommen, vornehmlich Musik aus Spätromantik und Klassik. „Wir wollen die Möglichkeit bieten, das Erlebte zu verinnerlichen. Nur wenn wir uns Pausen gönnen, können Dinge auch wirklich nachhaltig wirken", ist Gefäller überzeugt. Also: Augen zu, Ohren auf – und genießen! ‹ 

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erschienen im KM 02/23